*1930 Wiesbaden, † 1985 in Frankfurt, Deutschland

Ein bedeutendes Œuvre schuf unser tinyBE Ehrengast Charlotte Posenenske über einen knappen Zeitraum von zwölf Jahren. Als wegweisende Protagonistin der Minimal Art und Konzeptkunst untersuchte die Malerin und Bildhauerin sozial - und gesellschaftspolitische Entwicklungen. Sie hinterließ die Zeichnung eines vierteiligen, linearen Raumteilers – eine Weiterentwicklung ihrer sogenannten Drehflügel. Diese bestehen aus 4 drehbaren, türgroßen Flächen, die sich zu einer Wand oder Barriere schließen lassen. Doch die Barriere lässt sich öffnen und man kann sie durchkreuzen. Die Nachlassverwaltung hat ihre Zeichnung umgesetzt: der Raumteiler wurde 2010 in Artist Space (New York), 2015 in der Galerie Daniel Marzona (Berlin) und 2018 im Kröller-Müller Museum (Otterlo) realisiert – allerdings nur im Innenraum.                                                                                                                                                           

Das Objekt materialisiert in lapidarer Weise ein zentrales Problem sowohl der Architektur als auch der Gesellschaft: den Gegensatz von drinnen und draußen. Drinnen befindet man sich geschützt im Haus, draußen steht man im Regen, drinnen gehört man dazu, zur Familie, zur Gruppe, zum Milieu, ist integriert, draußen ist man ein Fremder. Die Barriere, die Ausgrenzung verschwindet, wenn der Outsider die „Türen“ öffnet – eine Möglichkeit der Freiheit. In Kunst wohnen und arbeiten war das Ziel ihres ‚radikaldemokratischen‘ Kunstkonzeptes. Im Jahr 1968 beschloss sie aus politischen Gründen, mit der Kunst aufzuhören und widmete sich stattdessen einem Studium der Soziologie.

(Auszug Dr. Burkhard Brunn)

 

Ausbildung/ Education

Kunstakademie Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Deutschland: Klasse Willi Baumeister von 1951